Anstieg der HIV-Infektionen in den Philippinen alarmierend

HIV positivEinem neuen Bericht des Gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen zu HIV / AIDS (UNAIDS) zufolge, ist aus einem 20-Jahres-Tief neuer HIV-Infektionen in den Philippinen eine sich rasch ausbreitenden Krankheit geworden, vor allem in Cebu, Davao und Manila.

In den Philippinen werden jeden Tag sechs neue Fälle von HIV-infizierten Patienten erfasst.

HIV-Neuinfektionen in den Philippinen verdoppeln sich jedes Jahr aufgrund unzureichender Prävention und mangelnder Kenntnis sowie riskantem Verhalten bei gefährdeten Gruppen, sagte ein UN-Beamter in einem Interview.

Human Rights Watch Philippinen schätzt die Zahl der mit HIV infizierten Personen allein in Angeles City auf 30.000 bis 55.000. Danach sind 7 von 10 Frauen, die in Bars in Fields Ave, Angeles, arbeiten, mit HIV infiziert.

Herr Jonas Bagas, stellvertretender Vorsitzender des TLF Share und Mitglied des philippinischen National-AIDS-Rates: „Wir müssen darüber nachdenken, den Geist der Zusammenarbeit zwischen staatlichen Stellen und zivilgesellschaftlichen Gruppen fortzusetzen und zu verstärken und dabei den rechtlichen Rahmen zu einem Tool zu entwickeln, dass wirksame, geschlechtsspezifische, beweisbasierte und unter dem Schutz des Rechts Behandlung, Versorgung, Unterstützung und Eingreifen ermöglicht. Kurz gesagt, muss das Gesetz überarbeitet werden.“

In einigen Regionen werden Verantwortliche auch auf lokaler Ebene aktiv, wie zum Beispiel in Cagayan de Oro, wo 23 Personen mit HIV positiv registriert sind, von denen eine Person bereits starb. Weitere 3 Personen werden zur Zeit betreut, nachdem bei ihnen Anzeichen der Krankheit beobachtet wurden. Der eigens eingerichtete cagayan de Oro Aids-Rat ruft dazu auf, dass Personen sich melden sollten, wenn sie unsicher sind, ob sie möglicherweise HIV positiv sind.

Neben der steigenden Zahl von HIV-Neuinfektionen sind auch andere Geschlechtskrankheiten in den Philippinen weit verbreitet. Neue Mutationen, wie etwa ein kürzlich in Japan aufgetauchter Tripper-Stamm, sind immun gegen Antibiotika und geben Anlass zu großer Sorge.

Allein in Cebu City wurden im Jahr 2010 mindestens 8.000 Personen mit Geschlechtskrankheiten (STD: sexually transmitted diseases) erfasst. Die meisten von ihnen waren Frauen, die als Prostituierte (CSW: commercial sex workers) und Unterhalterinnen in Nachtclubs, Bars und Schänken arbeiteten.

Streitpunkt Sexualkunde und Familienplanung

Die Regierung unter Präsident Benigno NoyNoy Aquino unternimmt große Anstrengungen, ein Gesetz zur Verabschiedung zu bringen, über das nun bereits im fünften Kongress debattiert wird: Das Gesetz zur Reproduktiven Gesundheit (Reproductive Health Bill 5043). Es wird sehr kontrovers diskutiert, wodurch eine Abstimmung noch immer aussteht.

Der Widerstand gegen das Gesetz kommt hauptsächlich von der katholischen Kirche, die jede Form der Empfängnisverhütung ablehnt, außer der natürlichen Rhythmus-Methode, die auf Enthaltsamkeit während der fruchtbaren Tage beruht.

Das Problem ist, dass Leute denken, das RH-Gesetz steht nur für Familienplanung, und lässt sie assoziieren, die Bevölkerung würde im alten Stil an Schulen über reproduktive Anatomie, Kondome und Pillen unterrichtet. Die Gegner des Gesetzes sagen, dass dies in der Grundschule gelehrt werden soll. Das RH-Gesetz schlägt Sexualerziehung tatsächlich vor, aber in einer dem jeweiligen Alter angemessenen Art und Weise und unter Berücksichtigung der menschlichen Entwicklung, Beziehungen, Geschlechterrollen und Verantwortung.

Die Opposition gegen frühe Sexualerziehung erwächst auch aus dem Missverständnis, dass vor der Pubertät Kinder keine Sexualität haben. Doch die biologischen Fakten sind klar: Der Körper beginnt sich schon im Alter von 6 oder 7 Jahren zu verändern, in sehr feinen, aber wichtigen Dingen für die Annäherung an die Pubertät. Dem Eintritt der Menstruation (oder, bei den Jungs, des ersten feuchten Traums) geht die Produktion von Hormonen im Körper bereits für einige Zeit voraus, um die Pubertät vorzubereiten.

Senatspräsident Juan Ponce Enrile hat davor gewarnt, die Befürworter des RH-Gesetzes hätten dieses „clever“ als hygienische Maßnahme verpackt, obwohl es klar sei, dass damit die Bevölkerungsentwicklung kontrolliert werden soll.

Vertreter der katholischen Kirche erneuerten mehrfach die Forderung, die Menschen sollten das RH-Gesetz nicht unterstützen.

Die katholische Kirche hat erklärt, dass das RH-Gesetz, welches die Zustimmung im Kongress sucht, ein Gesetz gegen das Leben ist. Das Gesetz würde im Repräsentantenhaus als Gesundheits- und Anti-Armuts-Gesetzentwurf präsentiert. Es sei keines von beiden. Alles, was die Autoren über das Gesetz sagen, sei es nicht. Es sei ein ideologischer Angriff auf das menschliche Leben, die Familie, und die sozialen und kulturellen Werte. Warum seien Kinder unter denjenigen, die das Gesetz brauchen? Heißt das, dass wir von Kindern erwarten, sexuell aktiv zu sein? Warum ist es falsch (Sexualerziehung von Kindern)? Es ist falsch, weil es den natürlichen generativen Prozess stört.

Nur verheiratete Paare haben Geschlechtsverkehr, und sie müssen immer offen sein für das Leben. Dieses Gesetz sabotiert die Rolle der Eltern als primäre Erzieher ihrer Kinder in einem solch heiklen Thema wie Sex; Eltern sollten ihre Kinder in diesem Thema einführen, da sie den Reifegrad des eigenen Kindes kennen, und dies sollte auf Keuschheit basieren. Das Gesetz wecke hingegen frühe Neugier und anschließend die vorzeitige sexuelle Aktivität bei Kindern.

Alle anderen christlichen Kirchen, wie Iglesia ni Cristo und protestantische Kirchen, und sogar Vertreter des Islams, unterstützen den Gesetzentwurf.

Die Mitglieder des Youth Consortiums machten die katholische Bischofskonferenz der Philippinen (CBCP) dafür verantwortlich, dass die Verabschiedung des Gesetzes im Haus des Kongresses sich immer weiter hinzieht.

Einen Einblick in die Diskussion um den Gesetzentwurf erhält man zum Beispiel durch diesen Beitrag in Manila Standard Today.

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2 Responses

  1. Interessant, sich bei der Thematik „Familienplanung“ einmal vor Augen zu halten, dass die Pille zum Beispiel gerade ihren 60. „Geburtstag“ gefeiert hat.

  2. Allerdings auch interessant, dass es selbst in aufgeklärten Gesellschaften mit der Aufklärung nicht weit her ist. Jugendliche scheinen heute weitaus weniger über Geschlechtskrankheiten und Verhütung zu wissen, als man gemeinhin annehmen möchte. Eine Studie liefert ernüchternde Ergebnisse.

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